Das kausale Konzept

Im Gespräch mit Zahnarzt Dr. Marc Moll über seine Praxisphilosophie

dr marc moll portraitHerr Dr. Moll, Ihre „dentale Laufbahn“ haben Sie als Zahntechniker begonnen. Was hat Sie bewogen, ein zahnmedizinisches Studium anzuhängen und Zahnarzt zu werden?

Dr. Moll: Die Arbeit als Zahntechniker hat mir Spaß gemacht. Ohne Frage. Aber ich fand sie auf Dauer nicht befriedigend. Genauer gesagt bekam ich irgendwann Zweifel, ob es nicht sinnvoller wäre daran zu arbeiten, Zahnersatz möglichst zu vermeiden.

Und ist es möglich? Und wenn ja, wie funktioniert das?

Dr. Moll: Indem man das Übel an der Wurzel packt. Das heißt, man muss die Ursache von Zahnkrankheiten bekämpfen – und zwar konsequent. Nach meinem Studium hatte ich das Glück, als Assistent in einer konsequent präventiv ausgerichteten Praxis zu arbeiten. Hier habe ich gelernt: Keine Zahnbehandlung ohne begleitende Prophylaxe!

Ich habe mich dann intensiv mit den mikrobiologischen Zusammenhängen in der Mundhöhle auseinander gesetzt. Die Forschungsergebnisse zur Entstehung von Karies und Parodontitis zeigen eindeutig, dass diese sehr weit verbreiteten Volkskrankheiten Folgen eines aus dem Gleichgewicht geratenen ökologischen Zusammenlebens verschiedener Bakterienstämme in der Mundhöhle sind.

Die Bakterien organisieren sich zu einem Biofilm, den man auch als Plaque kennt. Bei hohem Zuckerkonsum nehmen die Säure produzierenden Bakterien überhand. Außerdem sondern sie Zellgifte ab, die das Zahnfleisch angreifen. Die Bakterienkolonien wiederum stehen in Wechselwirkung mit dem Immunsystem. Und das ist bei jedem individuell ausgeprägt.

Heißt das, dass Zahnkrankheiten doch erblich beeinflusst sind?

Dr. Moll: Es gibt durchaus genetische Faktoren, die bei dem einen den Ausbruch von Zahnkrankheiten begünstigen und beim anderen eher hemmen. Auch der Speichel spielt ein wichtige Rolle. Beim Säureangriff auf die Zahnoberfläche hat er eine gewisse Reparaturfunktion. Doch dazu muss der Speichel in der richtigen Zusammensetzung und in genügender Menge vorhanden sein – ein Problem gerade bei älteren Menschen, die unter Mundtrockenheit leiden.

Lange dachte man, dass Karies und Parodontitis Infektionskrankheiten sind.

Dr. Moll: Richtig ist, dass wir zunächst ohne die schädlichen Keime in der Mundhöhle geboren werden. Diese gelangen erst später in den Mund des Kleinkindes – weitergegeben zum Beispiel von der Mutter oder anderen Angehörigen. Doch entscheidender für die frühkindliche Karies sind individuelle Ernährungsgewohnheiten – vor allem dauernder Zuckerkonsum.

Also gibt es mehrere Faktoren für die Entstehung von Zahnkrankheiten?

Dr. Moll: Ja. Wir sehen vier Faktoren: Zum ersten das bakterielle Geschehen in der Mundhöhle, zum zweiten die Wechselwirkung mit dem Immunsystem der Patienten und drittens unser Verhalten: nämlich wie wir uns ernähren und – viertens – wie wir unsere Zähne pflegen. Um den Ausbruch von Zahnerkrankungen zu stoppen, müssen wir diese vier Faktoren beeinflussen …

… in Ihrem kausalen Behandlungskonzept?

Dr. Moll: Exakt. Zunächst lernen wir gewissermaßen unseren Feind kennen: Das heißt, wir testen, welche Bakterienstämme vorhanden sind. Wir kontrollieren die Speichelflussrate. Eventuell müssen wir auch das Immunsystem stärken. Ernährungsberatung und Einweisung in eine gute häusliche Mundhygiene gehören ebenfalls dazu.

Vor allem aber rücken wir den Bakterien im Biofilm zu Leibe. Denn der lässt sich – besonders an den kritischen Stellen – nur mit professionellen Methoden entfernen. So bekommen wir das parodontale Entzündungsgeschehen dauerhaft in den Griff und verhindern die Entstehung neuer Karies.

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Dann benötigen Sie ja gar keinen Bohrer mehr?

Dr. Moll: Zumindest ist es langfristig unser Ziel, auf die Turbine und eine chirurgische Parodontalbehandlung ganz verzichten zu können. Das bezeichnen wir als den sanften Weg zu dauerhafter Zahngesundheit. Bis dahin werden wir mit allen Methoden der modernen Zahnmedizin Karies minimalinvasiv, also substanzschonend entfernen und Zähne ästhetisch restaurieren.

Überhaupt setzen wir sanfte Methoden ein. Die Zeiten, wo Zahnbehandlungen notwendigerweise mit Schmerzen verbunden waren, sind eigentlich passé.

Das sind ja gute Aussichten für Patienten!

Dr. Moll: Tatsächlich ist das kausale Therapiekonzept sehr erfolgversprechend. Ich bin mir sicher, dass wir auf diesem sanften Weg unser Ziel erreichen werden, allerdings nur unter einer Voraussetzung: Die Patienten müssen es wollen!

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